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  • Der Hochstart

    Obwohl die sicherste und coolste Methode, den Drachen bei null Wind auf 200 m zu bringen (bei entsprechender Höhenfreigabe an Drachenfesten, sonst maximal 60 m), habe ich entdeckt, dass die wenigsten die nötige Ruhe vor dem Start bewahren. Der Hochstart mit Nullwind-Drachen hat einige relevante Vorteile.

    Wenn du Zeit hast und viel Raum, kannst du cool bleiben und einen kompetenten Hochstart performen.

    Hochstart eines Drachens in den Bergen.
    Hochstart mit „the long way home“ vor dem Stein-Gletscher, Susten. © Markus Egger

    Start am Anfang

    Du kannst deinen Drachen an einem wirklich schönen oder sogar spektakulären Ort präzise hinlegen: auf einen Felsen, am anderen Ufer des Silvaplana-Sees oder einfach auf dem perfekt flachen Fussballplatz, quasi Labor-Start. Sollte ein wenig Wind wehen, lege einen Stein oder Ast als Beschwerung auf die Spreize. Die Nase zeigt zu dir hin.

    Dabei musst du die mindestens hundert Meter Schnur nicht extra auf den Boden abspulen und auslegen, das ist eine langweilige Arbeit. Stattdessen schlenderst du vom startklaren Drachen weg, bis die Schnur auf der Spule zu ende geht. Bei mir sind das 50 bis 300 Meter.

    Start nach einer Landung

    Eine sanfte Landung ist das Schönste. Lass dir Zeit. Wie beim manuellen hinlegen des Drachens, kannst du ihn auch während eines Fluges so landen. Die Nase deines Drachens zeigt jetzt zu dir hin und die Flugschnur ist schön gerade: ein sauberes Layout für das Abheben.

    Ignition sequence start … Lift-off

    Starte mit einem beherzten Zug-Impuls, damit sich the long way home oder was immer in seine Drachen-Steig-Position aufrichtet. Du kannst in aller Ruhe durchziehen (mit beiden Händen) und die optimale Zuggeschwindigkeit spüren, damit der Drachen möglichst effizient, dh. mit minimalem Längenverlust an Flugschnur, in den Himmel steigt. Eine ausgewogene Symmetrie deines Drachens kann dabei nicht schaden.

    Ziehe ihn in den Zenith, oder schöner, weit darüber hinaus: Das ergibt eine elegante, nach oben hin ausgedehnte Flugbahn: Auftrieb im Gleit-Modus. Oder: Du leitest schon auf 20 oder 50 m Höhe einen halben Flatspin ein, gefolgt von einem Fly-Away, 200 m von dir entfernt. Dazu solltest du aber 50 m zusätzliche Schnur sauber am Boden ausgelegt haben.

    Die Grösse des Drachens und die Länge der ausgelegten Flugschnur spielen keine Rolle, aber so ab 10 m zero.4 mit einem „i’ll be back“ oder mindestens 50 m zero.6 mit „the long way home“ sind sinnvoll. Bei einem grossen Drachen arbeitest du schon ein bisschen mehr, bei einem kleinen fast nichts.

    Weitere Start-Methoden und andere Moves mit unseren Drachen: Start auf dem Furka: Hochstart eines Drachens in den Bergen. Movie.

  • Innovationen mit Charakter

    Herbst – Zeit fürs Drachenfliegen. Doch was, wenn er so wenig Wind bringt wie der Sommer Sonne? Thomas Horvath weiss Rat.

    Er ist ein bisschen anders als die anderen. Die anderen lasen, als sie klein waren, «Micky Maus» und «Donald Duck». Sein Liebling aber hiess «Hobby. Das Magazin der Technik». Die anderen rannten nachmittagelang über den Rasen, einem Ball hinterher. Er rannte über Wiesen, über ihm seine selbstgebastelten Segelflieger oder Spaceshuttles.

    Eines Tages, als er bereits erwachsen und Architekt in einem angesehenen Büro war, fing er an, sich für Drachen zu interessieren. Gleichgesinnte, die er an Drachenfesten im In- und Ausland traf, hatten wettergegerbte Gesichter und spröde Lippen vom Wind. Seine Haut dagegen trägt keine solchen Spuren. Denn die Drachen, die er steigen lässt, sind wie er: ein bisschen anders als die anderen. Seine Drachen brauchen keinen Wind. Sie fliegen in der Stadt, zwischen den Häusern und sogar drinnen in seinem «Drachen-Labor» in Zürich-Altstetten. Es sind «synergetische Drachen», wie er sie nennt, die ersten ihrer Art, erfunden von ihm, Thomas Horvath.

    Eigentlich hat der 54-Jährige damit nur die Not zur Tugend gemacht: «Immer wenn ich nach Feierabend auf die Wiese wollte, war der Wind, der den ganzen Tag geweht hatte, plötzlich weg», erzählt er. Statt sich zu ärgern, tat er, was er ohnehin schon von Kindesbeinen an tut: Er begann zu tüfteln.

    ein drachen in der schleuse basel birsfelden.
    de tomaso honey icarex edition in der Schleuse Basel Birsfelden. © René Oehler

    Flügge auch bei Windstärke null

    Er wollte einen Drachen bauen, der keinen Wind mehr braucht. Die richtigen Materialien, leicht und doch reissfest, die richtige Bauweise mussten gefunden werden. Und die richtigen Mittel, seine Drachen millimetergenau passend zusammenzubauen. Denn Leichtigkeit und Präzision sind das A und O, wenn so ein Ding mit einer Spannweite von bis zu 2,76 Metern bei null Wind fliegen soll. Horvath entwickelte eigene, computergesteuerte Verfahren, baute seine Nähmaschinen um, damit sie die dünnen Fäden und den ultraleichten Icarexstoff überhaupt bewältigen konnten.

    In der Drachen-Szene, die stets an Neuem interessiert ist, machte sein Name schnell die Runde. Dort ist er heute bekannt wie ein bunter Hund. Auf einer Magerwiese am Waldrand von Altstetten testete er seine Drachen aus. Seine ersten Nullwindkreationen waren noch Lenkdrachen an zwei Leinen. «Man musste viel rennen, es war Arbeit, sie ohne Wind in der Luft zu halten», erzählt er. Der Idee, alles aufs Minimum zu reduzieren, konnte das natürlich nicht gerecht werden. Null Wind, null Stress, maximaler Spass – das war das Ziel.

    Mit seinem Dreitagebart, den halblangen, zusammengebundenen Haaren, dem breiten Lächeln wirkt er auch äusserlich eher wie ein Genussmensch, nicht wie einer, der gern Marathons rennt. Und so tüftelte er weiter, bis er den ersten Einleinerdrachen in der Hand hielt, der ohne Wind und Rennerei fliegt. Ein leichter Impuls an der Flugschnur genügt, und der Drachen steigt in die Luft.

    Nach Feierabend war der Wind weg

    Schon als Architekt habe ihn alles interessiert, was leicht, schwebend und materialsparend ist, sagt er. Doch seinen angestammten Beruf hängte Horvath bald an den Nagel. Für die Baustelle müsse man geschaffen sein. Die Normen und Vorschriften, die ständigen Absprachen und Verzögerungen, das dauernde Dreinreden von Leuten, die seine Ideen nicht verstehen wollten, das alles lag ihm nicht. «Vom idealen Produkt ist man auf dem Bau weit weg», erklärt er. Er wandte sich dem Industriedesign zu – und dann investierte er auch beruflich in das, woran sein Herz am meisten hing: Er baute Nullwinddrachen.

    Seit einigen Jahren lebt er vom Verkauf seiner auch optisch minimalistisch gehaltenen Segler, die er alle eigenhändig fertigt, zwei bis drei pro Tag. Sie sind denn auch nicht ganz billig. Er liefert sie aus in schwarzen Kunststoffrohren, den Tubes, die er abends mit dem Velo und einem Glücksgefühl zur Post bringt. Horvath hat mittlerweile ein gutes Dutzend Modelle im Angebot und einige Entwürfe in der Schublade.

    Jedes der Modelle hat seinen eigenen Charakter. Der eine Drachen fliegt ruhig und schwebend, der andere bewegt sich verspielt und agil. Und jeder trägt einen Namen, der oft ironisch auf zeitgenössisches Kulturgut anspielt und zugleich seine jeweiligen Eigenschaften widerspiegelt. Der «Long Way Home», der grösste, benannt nach einem Song von Tom Waits, fliegt gern an einer besonders langen Leine. Der «Urban Ninja» ist flink in der Luft wie ein Ninjakämpfer auf dem Boden. Und der kleinste von allen heisst ironischerweise «I’ll Be Back» – so, wie es der Terminator anzukündigen pflegt.

    Eine ganze Modellserie hat Thomas Horvath «De Tomaso» getauft – zu Ehren des gleichnamigen Sportwagens, den er wegen seines breiten Hinterns und des V8-Motors als das «politisch unkorrekteste Auto überhaupt» bezeichnet. Zugleich war dieser Name aber ein politisch korrekter Kompromiss. «Der Drachen sollte eigentlich ‹Banlieue› heissen. Er ist fürs Ghetto gedacht, man darf ihn auch mal in den Asphalt fliegen oder an einer Hauskante vorbeischrammen lassen», erklärt Horvath. Doch eben: Die Bezeichnung war ihm dann doch zu heiss, zumal in jener Zeit gerade die Jugendrevolte in den Pariser Banlieues aufflammte.

    Im Drachen-Labor herrscht Ordnung

    Auch beim Entwerfen neuer Modelle überlässt der gebürtige Luzerner, den das Studium und die baulichen Möglichkeiten nach Zürich verschlugen, nichts dem Zufall. Er setzt sich nicht an die Nähmaschine und bastelt einfach drauflos. Zuerst ist da immer die Idee. Er überlegt sich die Flugeigenschaften, die der Drachen haben soll, und welche Spannweite ideal ist. Dann gehts ans Suchen der Formen und Winkel, der optimalen Ausrichtung der Karbon-Stäbe und -Rohre, und stets soll ein solcher Drachen auch möglichst effizient zu produzieren sein. Zwei Baupläne hat Horvath so zur Einfachheit perfektioniert, dass selbst grös­sere Kinder und Jugendliche die Segler bauen können. «Oft begreifen sie schneller als Erwachsene, wie es geht», sagt er.

    Genauso wie bei seinen Bauplänen herrscht auch in Horvaths Drachen-Labor eine klare Ordnung. Kein kreatives Chaos, sondern aufgeräumte Coolness voller Designklassiker erwartet den Besucher. Die Schubladen der Planschränke sind an­geschrieben – zumindest dort, wo es den Ästheten Horvath nicht stört. Da und dort steht auch noch ein unfertiges Fahrrad herum. Denn das ist eine weitere Passion des Tüftlers: Er baut eigene Velos, kombi­niert dabei klassische Rahmen aus den Achzigern und Neunzigern mit neuster Tech­nik. Er habe, so bekennt er, zu Hause kein Sofa. Stattdessen stehe in der Stube, die er mit seiner Partnerin teilt, eine Drehbank. Und kistenweise Rohmaterial.


    Erschienen im Beobachter 20 | 2014

  • Welchen Drachen fliegen?

    Das Zentrum der Raum-Zeit-Achsen ist bei einem typisch urbanen Flug lokalisiert: am Abend auf dem Weg nach Hause oder nachts auf der Piazza.

    Die Angaben sind generell nach oben offen. Für die Flugschnüre sind typische Minimal-Längen angegeben. Kurze Kabel sind immer praktisch, sie sind 17 m lang.

    Alle Nullwind-Drachen fliegen auch bei sanftem Wind, dann besser an langer Flugschnur. Bei starkem Wind oder im Sturm nicht fliegen.

    Wenn du dich einfach nicht entscheiden kannst: de tomaso superleggera (Delta-Design) oder de tomaso honey (Flügel-Design) für urbanes Schweben ohne oder fast ohne Wind. Icarex oder hyperlight dyneema laminate edition.

    Auch 2026 sind ab und zu einige fertige Drachen hier, für den dringenden Fall. Inklusive einer integrierten Personalisierung auf dem Tube, wenn es ein Geschenk sein soll. Bitte per E-mail nachfragen.


    Alle Nullwind-Drachen von Horvath und ihre Eigenschaften.

    Siehe die exakten Spezifikationen der Drachen im Shop oder klick das Diagramm für volle Grösse zum drucken.

    Auf Facts und Einblicke siehst du alles Wissenswerte zu unseren speziellen Drachen, Tipps zum Setup, und auch Betrachtungen zum kulturellen Kontext, Bilder, Artikel aus der Presse etc.

  • Synergetische Nullwind-Drachen

    Ein Drachen schwebt über dem Ufer in New York City: The long way home.
    Spannweite: 2.76 m, Gewicht: 110 g, The long way home in New York City. © Heinrich Hohmann

    sind…

    • die ersten Drachen in der X-Y-Z-Line Konfiguration mit der variablen 3d-Spreize
    • synergetische Strukturen mit exakt einstellbarer Flugcharakteristik
    • trotz komplexer Technologie einfach und minimal anmutende Objekte
    • gleit- und schwebefähige Drachen für Leichtwind- oder Indoor-Flüge
    • aktiv lenkbare, extrem leichte Nullwind-Einleiner-Drachen mit grosser Streckung
    • hybride Gleiter-Designs mit flexiblen Flügeln
    • die UL-Freestyle-Slowflyer unter den Leichtwinddrachen
    • membranförmige hybride Nurflügel an einem Kabel
    • Lenkdrachen ähnlich, aber sie fliegen frei im gesamten Himmel
    • stark von Flugtechnik und Aerodynamik der Vögel inspiriert
    • in gewisser Hinsicht pakistanischen und indischen Drachen ähnlich
    • dynamisch stabil im Drachenflug beim steigen und gleiten
    • Tensegrity-Designs (siehe Buckminster Fuller) und deshalb extrem stabil
    • durch die geringe Masse von 11 bis 114 g und beste Materialien ökologisch effizient
    • swiss made in unserer Manufaktur: handmade in Switzerland
    • eine geschützte Erfindung und Entwicklung vom Drachen-Labor™ horvath.ch
    • the original and best, seit 2000

    sind nicht…

    • klassische westliche Leichtwind-Einleiner oder Stand-Drachen
    • statische Delta-Drachen, link: Dan Leigh, www.deltakites.com
    • Rogallo-Wings oder Rogallo-Drachen, teilen aber gewisse Charakteristiken
    • asiatische Kampfdrachen oder amerikanische Fighter Kites
    • Lenkdrachen an zwei oder vier Leinen, manche nennen sie aber Einleiner-Lenkdrachen
    • stablose Drachen, obwohl flexibel in Konstruktion und Flug
    • in Fernost produziert, aber handgemacht bei uns in Zürich
    • aus Spinnaker-Nylon und Holzstäben, sondern aus Icarex, Dyneema-Laminaten und Carbon
    • unzerstörbar, aber extrem langlebig und zeitlose Klassiker
    • billig, bereiten aber für lange Zeit viel Freude

    definition synergie, griechisch "sunergos", zusammen arbeiten, oxford wörterbuch.

    Synergie

    Die Interaktion oder das Zusammenwirken zweier oder mehrerer Organisationen, Substanzen oder anderer Mitwirkender, welche einen kombinierten Effekt erziehlt, der wirkungsvoller ist als die Summe der einzelnen Effekte. Vom griechischen Sunergos ‚zusammenarbeiten‘.

    Bei uns beeinflussen die diversen Prinzipien, welche in synergetischen Konzepten enthalten sind, stark unsere Arbeit und die Entwicklung von Drachen.

    Am „center for synergetic structures“ an der Empa in Zürich forscht Dr. Rolf Luchsinger mit seinem Team an weiterführenden synergetischen Konzepten wie „tensairity“ mit modernen Materialien. Darunter sind auch diverse Versuche mit Drachen, seit einigen Jahren auch zur Energiegewinnung.

    Drachen im Herbst

    Drachen und Jahreszeiten: In der Schweiz assoziert man den Herbst gerne mit Drachen. Herbstwinde stehen für die Drachen-Saison. Zeitungen und Zeitschriften berichten während des Herbstes gerne aktuell über Drachen, auch unsere, welche eigentlich am schönsten ohne oder in einem Hauch von Wind schweben.

    Für Nullwinddrachen ist das ganze Jahr Saison, an verschiedensten Orten und oft mit spontanen, unkomplizierten Flügen. Die Tubes™ sind robust und z.T. extrem kompakt, sodass Horvath-Drachen immer mit dabei sein können:

    Im Winter im Tiefschnee hoch oben in den Bergen oder Indoor, im Frühling in den ersten warmen Sonnenstrahlen Freestyle vor dem Haus oder im Park, im Sommer eventuell in einer angenehm kühlenden Brise in der Stadt oder am Meer, und im Herbst dann sowieso, oft mit anderen Leuten zusammen.

    Für statische Flüge in klassischen kontinentalen oder alpenländischen Herbstwinden setzt du spontan den Stabilizer ein, so kannst einige deiner Drachen entspannt sehr hoch steigen lassen.

    In Nordamerika und vielen anderen Regionen beginnt die Drachensaison im Frühjahr und dauert an bis Ende Herbst die kalten Tage kommen.

    Das deutsche Wort „Drachen“

    Noch ein kurzer Begriffs-Exkurs:

    Immer öfter taucht im deutschsprachigen Raum der englische Begriff „kite“ für Drachen auf. Ganz generell würden wir sagen: je sportiver – insbesondere im kontext Trendsport – der Umgang mit Drachen, desto mehr oder sogar ausschliesslich, wird das englische „kite“ gebraucht (power kiting, snow kiting auf Ski oder Board, kite surfing auf Wasser, depower-kite etc.).

    Je kontemplativer, spielerischer und kreativer die Aktivitäten mit Drachen, desto treffender ist der deutsche Begriff „Drachen“. Besonders gilt dies für Einleiner-Drachen wie auch unsere synergetischen Nullwind-Drachen: Hier wäre für mich persönlich die Verwendung von „Kite“ zu trendig.

    In der Tier- und Fabelwelt treffen wir dann die feuerspeienden Drachen an (englisch: „dragon“), im Segelsport die Kiel-Bootsklasse „Drachen“, und neuerdings auch Drachenboote (dragonboat), auf welchen 22 leute im Rhythmus von Trommelschlägen paddeln.

    Der Flugdrache (draco) ist eine Gattung der Echsen. Die ein viertel Meter langen Flugdrachen haben zwischen ihren verlängerten Rippen Flughäute als gedrungene Flügel, mit denen sie passiv im Gleitflug von Baum zu Baum bis zu 100 Meter weit segeln.

  • Analogien in der Luft

    Zwei Nullwind-Drachen gleiten wie Vögel.
    Unsere Drachen fliegen fast so wie es die Vögel tun: The long way home.

    Ein Versuch, hybride synergetische Drachen einzuordnen, unter den Bedingungen: kein oder sehr sanfter leichter Wind. Analogien zu anderen Spezies von Drachen-Designs:


    Lenkdrachen, indoor
    Einleiner-Leichtwinddrachen
    Kampfdrachen
    Natur: Vögel
    Horvath Nullwind-Drachen


    1 Leichtwind- und Indoor-Lenkdrachen in Standoff-Deltaform wie Tim Benson Innerspace, Herb Weldon / Dean Jordan Synchro, und die phantastische Isis von Pierre Marzin, aber auch ganz kleine Drachen und Indoor-Revolutions an 4 Leinen:

    • zwei oder vier Leinen mit fixer Länge
    • dynamische Bewegung in einer Halbkugel
    • punktuelle 3-d Moves um die x-y-z Achsen des Drachens
    • Bewegung des Piloten nötig: zweieinhalb Dimensionen
    • leichte High-Tech-Materialien
    • Sport, Wettkampf

    2 Statische Leichtwind-Drachen wie der traditionelle japanische Tosa, gekielte Vogeldrachen wie diejenigen von Martin Lester oder Alick Pearson, leichte Einleiner-Deltas mit angenähtem Kiel sowie der westliche Genki mit kleinen Kielen:

    • eine Flugleine, variable Leinenlänge, mit der Spule gehandhabt
    • aufgrund des Kiels nicht lenkbar
    • stehen stabil an einer vom Wind gegebenen Position
    • wenig Input durch den Piloten möglich, linear entlang der Flugleine
    • moderne oder traditionelle Materialien
    • Freizeit: Drachenfliegen und -Bauen

    3 Indische, pakistanische und koreanische Kampfdrachen, Nagasaki Hatas, Bukahs, brasilianische Pipas, US-Kampfdrachen und der flach eingestellte, entspannte Rokkaku fliegen bevorzugt in normalen Winden:

    • eine Drachenschnur, teilweise Variation der Leinenlänge im Flug mit den Händen
    • temporär instabil für Lenk-Inputs
    • fliegen bei gespannter Leine schnell
    • lenkbar in einer Viertelkugel: zweidimensional
    • moderne oder traditionelle Materialwahl
    • Wettkampf, Spiel

    4 Vorbild Natur. Vögel wie der langsam schwebende oder pfeilende Adler oder der Albatros im dynamic Soaring. Ich bin nicht der grosse Vogel-Experte, aber es ist schon phantastisch, was Vögel mit und in der Luft anstellen:

    • nutzen, aber brauchen keine Luftbewegung, siehe dynamic Soaring 1
    • keine Leine, ungebundenes aktiv gesteuertes dynamisch stabiles Gleiten 2
    • durch Flügelschlag angetrieben, wegen hoher Flächenbelastung schnell 3
    • freie, aktive Bewegung im Himmel in allen drei Dimensionen 4
    • organische ultra-high-tech Materialien, teilweise semi-permeabel 5
    • Funktion, Flugtechnik, komplexe Schwarm-Aerodynamik, Formationsflug 6

    5 Ultraleichte synergetische Nullwind-Drachen oder Hyperlights: Delta Design Drachen wie der kompakte De tomaso superleggera und Flügel Designs wie The long way home mit grosser Streckung:

    • nutzen, aber brauchen keine Luftbewegung zum schweben 1
    • fliegen oft mit absolut entspannter Flugschnur, gleiten 2
    • Antrieb meist nach oben durch Zug am Kabel, durch extrem niedrige Flächenbelastung langsam 3
    • freie Bewegung im Himmel in allen drei Dimensionen, aktiv wenn Input durch Kabel 4
    • synthetische high-tech Materialien, teilweise semi-permeabel wie Lrs flow, Clv glissando 5
    • Funktion, Flugtechnik, komplexe Aerodynamik 6
    • Bonus: Flow
  • Die Entwicklung des Nullwind-Drachens

    5 urban ninja Drachen vor Wolken.
    Je mehr Drachen, desto besser. © Markus Egger

    Interview mit dem Designer des synergetischen Drachens

    Aus dem Englischen übersetzt.

     

    Bill Wilson: Thomas beantwortet einige Fragen zu seiner Inspiration und Motivation, diese coolen Einleiner-Drachen zu entwickeln und herzustellen.

     

    Bill Wilson: Wer ist Thomas Horvath?

    Thomas Horvath: Meine Eltern kamen während der ungarischen Revolution 1956 als Flüchtlinge in die Schweiz. Hier geboren, lebe und arbeite ich heute in Zürich, einer schnellen und dichten Stadt – ein passendes Umfeld für The urban ninja.

    Nach dem Studium der Architektur an der ETH in Zürich arbeitete ich bei einigen renommierten Architekten, bevor ich mein eigenes Studio für Architektur und Industrial Design startete. Ich habe jetzt die Architektur-Aktivitäten reduziert, um mich professionell der Entwicklung von Drachen und dem Drachen-Business zu widmen.

    Meine Passion bleibt aber, mit einem noch entwicklungsfähigen Prototypen im weiten Himmel zu schweben, um mögliche Verbesserungen zu erkunden.

     

    Bill Wilson: Wie fingst du mit Drachen an?

    Thomas Horvath: Während dem Architekturstudium galt mein Interesse auch leichten, kollabierbaren Strukturen, welche oft für temporäre Anwendungen optimiert waren. In diesem Kontext untersucht man auch tetraedrische Prinzipien und Fullers Tensegrity Strukturen. In jenen Jahren spürte ich, dass ich eines Tages vielleicht auch Drachen entwickeln und konstruieren könnte.

    Jahre später begann ich, mit den ersten Wolfe- und Benson-Lenkdrachen zu fliegen, aufgrund der Nullwinde an Abenden in der Schweiz jedoch wechselte ich bald auf Leichtwind-Drachen wie der wunderschönen weissen Isis von Pierre Marzin und unzählige andere. Aber selbst solche hoch entwickelte Schweber benötigen doch ein bisschen konstanten Wind, um entspannt mit ihnen zu fliegen.

     

    Bill Wilson: Was ist ein synergetischer Drachen?

    Thomas Horvath: Ich denke da an drei Aspekte bezüglich Synergie:

    Strukturell: Die dynamische Interaktion von Statik und Membran – intensiviert durch den Druck der Luft und den Input des Drachenfliegers – ergibt ein starkes, aber flexibles Arrangement. Die gesamte Struktur unserer synergetischen Drachen verfolgt einen pragmatischen Tensegrity-Ansatz.

    Synergie im Flug: Während sie gleiten, profitieren meine Flieger von ihren Drachen-Spezifika wie die extrem geringe Flächenbelastung. Wenn die Strömung abreisst, fallen sie deshalb nicht herunter, und diese Momente von null Energie sind die entscheidenden Momente, sie mit einer Schnur zu steuern. Im Drachen-Flugmodus, wenn du sie in den Himmel hinauf ziehst, entwickeln ihre profilierten Flügel starken Auftrieb, sodass sie bei minimalem Verlust an Schnurlänge effizient steigen.

    Luft, das fliegende Objekt und ich: Das sind meine ruhigen, schönen Momente.

     

    Bill Wilson: Es scheinen Gleiter, Trickdrachen, Einleiner-Drachen zu sein. Wie wurdest du inspiriert, diese Drachen zu entwickeln?

    Thomas Horvath: Ich wollte Drachen, mit welchen ich an windstillen Abenden ganz entspannt rumspielen konnte. Um ohne Wind zu fliegen, braucht es Bewegung, und es ist essenziell, dass ich diese Bewegung beeinflussen kann. Solch ein Flug-Gerät musste fähig sein, über längere Distanzen davongleiten zu können und dabei lenkbar zu bleiben. Ich begann, die Flug-Stabilität der Drachen auf ein Minimum zu reduzieren, die Designs immer langsamer und agiler zu gestalten, um ein möglichst direktes Ansprechverhalten zu erreichen.

    So wurde es möglich, dass diese Einleiner-Drachen enge Flat-Spins und andere Moves fliegen können, was lange Airtimes auch in engen Platzverhältnissen fördert.

     

    Bill Wilson: Was ist das urban ninja project?

    Thomas Horvath: The urban ninja ist ein Versuch, ein einfach zu fliegendes Gerät oder Gadget auch Leuten anzubieten, welche bisher noch nichts mit Drachen zu tun hatten, auch Kids. Diesen Drachen kann man immer und überall ganz unkompliziert fliegen. Projekt, weil ich plane, weitere Varianten zu veröffentlichen: Eine kleine Indoor-Variante (welche ich gerade vor ein paar Minuten im kite-lab flog), einen noch agressiveren, hoch instabilen Drachen usw. Das wird aber nicht im nächsten Monat sein.

    Es stellte sich heraus, dass die Leute im dichten Himmel eines Drachenfestes gerne ihren „The urban ninja fliegen“, um dann, wenn sich der Wind am Abend vollkommen legt und eine Menge Platz im leeren Himmel ist, mit ihren „The long way home“ und den anderen Flügel-Designs rumgleiten. Es wäre schön, immer mehr Ninja-Flieger in der wachsenden Gemeinschaft zu sehen. Mit der Nummer auf dem Segel lädst du andere ein, mit dir gemeinsam Drachen zu fliegen, am besten an einem engen Spot.

     

    Bill Wilson: Weshalb hast du dich entschlossen, die Pläne für The urban ninja online zu stellen?

    Thomas Horvath: Um etwas mit der Community zu teilen, aktives Einleiner-Drachenfliegen im urbanen Raum zu promoten und für Leute, die an Drachen-Innovationen interessiert sind.

    Seit diesem Interview hat Thomas einen weiteren Artikel publiziert, welcher sein Werk in den Kontext der Drachenwelt stellt, mit Analogien zu anderen Ansätzen.

     

    Januar 2007

  • Segel: icarex Farben

    Etikette einer Icarex-Rolle, 90 m, Made in Japan.


    Icarex PC31 bedeutet 36 g/m2 oder 31 g pro Square Yard Bruttogewicht einschließlich der beidseitigen Polycarbonat-Beschichtung. Das Rohgewicht des unbeschichteten Polyester-Ripstop-Stoffes wäre um einiges geringer, aber die Beschichtung stabilisiert den Stoff vor allem entlang der Diagonale (Bias). Das Ergebnis ist ein folienartiges Material, verzugfrei und masshaltig.

    Kett läuft fast gerade, Schuss nicht immer. Trotzdem ist icarex ein Textil hoher Präzision.

    Der textile Stoff, auch Tuch oder Segeltuch genannt, ist transluzent und kann verschiedene optische Aggregat-Zustände annehmen, vereinfacht drei:

    • Auf der Rolle oder in mehreren Lagen ist die Farbsättigung sehr hoch, die Farben erscheinen knallig.
    • Ein aufgebauter Drachen im Atelier zeigt eine mittlere Sättigung und ist schon deutlich heller.
    • Hält man ihn gegen das Fenster, steigt die Helligkeit stark an und die Farbsättigung wird geringer.

    Beim Schweben im Himmel spielt das Wetter auch hier mit: diffuses oder hartes Licht, dazu je nach Tageszeit die Farbtemperatur. Auch der Winkel des Segels zum Betrachter wirkt sich auf Helligkeit und Sättigung aus: je flacher, desto gesättigter und prägnanter die Farbe. Kameras reagieren stärker auf diese Effekte als unser Auge.


    Die Farben unserer Drachen in icarex

    Diese icarex-Farben hier sind normalerweise für die Produktion von Drachen an Lager. 31 weiss und 32 silver sind schneller in der Herstellung und oft günstiger. Dunklere Farben wie british racing green kosten ein bisschen mehr und die Herstellungszeit ist ein paar Tage länger.

    31
    weiss

    Ein weisser Drachen, Ansicht von vorne.
    Als Anfang eine klare Sache, die wahrscheinlich schönste aller Farben. Möglichst viel weglassen, auch Farbe, so einfach ist das.

    32
    silver

    Ein silbergrauer Drachen, Ansicht von vorne.
    Silbergrau: technisch anmutend, kann – vorallem in der Sonne – recht metallisch wirken oder sogar glänzen.

    33
    dunkelgrau

    Ein dunkel-grauer Drachen, Ansicht von vorne.
    Anthrazit, asphalt, dark grey: perfekt für so richtig fette Drachen.

    36
    gelb

    Ein gelber Drachen, Ansicht von vorne.
    Gelb ohne Synonym: eine freundliche, helle Farbe.

    39
    superwarmred

    Ein superwarmred Drachen, Ansicht von vorne.
    Orange-rot, oder frei interpretiert auch die Pantone-Farbe des Jahres 2019. Auch die tragende Farbe bei Massimo Vignelli.

    46
    blau

    Ein blauer Drachen, Ansicht von vorne.
    Blue, azzurro, RockShox-SID-blue.

    56
    british racing green

    Ein Drachen in british racing green, Ansicht von vorne.
    Speziell für Liebhaber englischer Sportwagen. Perfekt auch für weisse Beschriftungen.

    57
    neon

    Ein neonfarbener Drachen, Ansicht von vorne.
    Neongelb, leuchtgelb, hat einen Stich ins Grüne: gut sichtbar bei jedem Wetter. Leuchtkraft und Sättigung von icarex-Stoff sind sehr stabil.

    58
    hellgrün

    Ein hellgrüner Drachen, Ansicht von vorne.
    Semi-fluo-green, lavendel: ein sanft leuchtender, dennoch zurückhaltender Ton.

    60
    fluo-orange

    Ein Drachen in leucht-orange, Ansicht von vorne.
    Leucht-orange, signal-orange: immer extrem sichtbar, bei Sonne fröhlich. Wenn Sichtbarkeit die höchste Priorität ist, wähle diese Farbe für hohe Flüge.

    59
    pink

    Ein pink Drachen, Ansicht von vorne.
    Pink: krass. Wie bei allen icarex-Farben, speziell bei den fluoreszierenden, bleibt die Leuchtkraft und Sättigung erhalten. Erstaunlich, wie viele Jahre so ein Drachen ohne Alterung in der Sonne fliegen kann.

    Drachen in seltenen Farben, auf Anfrage

    Diese Icarex-Farben waren Raritäten und sind nicht mehr erhältlich. Sie waren nicht nur schwer zu finden, sondern auch schön. Die Produktionszeit war ein paar Tage länger als bei den oben gezeigten Production-Farben.

    34
    schwarz

    Ein schwarzer Drachen, Ansicht von vorne.
    Black … lieber nicht, schwarze Drachen sind brutal schwierig herzustellen. Wir verwenden schwarzes icarex für die meisten konstruktiven Teile und Details der Drachen.

    35
    crème

    Ein creme-farbener Drachen, Ansicht von vorne.
    Beige-farben. Gibt es theoretisch schon lange nicht mehr. Bei speziellem Interesse können wir eventuell noch etwas davon auftreiben. Es gab früher auch braun, dunkelbraun, chocolate.

    47
    midnight blue

    Ein Drachen in midnight-blue, Ansicht von vorne.
    Blau wie die Nacht: sehr dunkles Blau mit hoher Sättigung. Drachen in diesem extrem dunklen Farbton sind schwer herzustellen. Haben wir des öfteren an Lager, auf Anfrage.

    50
    petrol

    Ein petrol-farbener Drachen, Ansicht von vorne.
    Die offizielle icarex-Farbe hiess „slate“. Die letzten Zentimeter flogen 2026 davon. Finito, basta.

    51
    rose

    Ein Drachen in rose, Ansicht von vorne.
    War auf Anfrage, ist definitiv zuende.

    52
    magenta

    Ein magenta Drachen, Ansicht von vorne.
    Purple, violett: die icarex-Farbe mit der höchsten Sättigung.

    53
    grape

    Ein lila Drachen, Ansicht von vorne.
    Hell-lila, Pastell-Violett: das war ein wunderschöner transluzenter Ton, gibt es nicht mehr.

    pu
    mint

    Ein mint-farbener Drachen, Ansicht von vorne.
    Pastell-türkis, gletscherfarben, ice-mint: der einzige Stoff noch aus der icarex-PU-Serie, gibt es schon lange nicht mehr. Die Ripstops sind dünner und rechteckig, der gesamte Stoff ein wenig leichter und weicher. Ist fertig verbaut, finito.

    Nullwind-Drachen in icarex:

    Einige Farben für die Kollektion eines Kunstsammlers

    petrol-slate, white, rose, semi fluo green, silver, dark gray, und black.
    petrol-slate, white, rose, semi fluo green, silver, dark gray und black.

    Farb-Skizze: Compact oder Wing sind die Drachen-Typologien. Jedes Segel ist aus einem einzigen gefalteten Stück icarex geschnitten. Ausser beim The urban ninja, da sind es drei. Oder 4 Panels, wenn es ein reizvolles Duotone-Unikat in einer Sammlung ist.


    Dyneema composite fabric und die Hyperlights

    Neben icarex pc31 verwenden wir an unseren Drachen auch Dyneema Composite Fabric. Entgegen dem Namen ist es nicht ein textiler Stoff oder textiles Tuch, sondern ein Laminat. Zwischen zwei Mylar-Folien sind orthogonal kreuzweise rohe Dyneema-Fasern gebacken.

    Die leichtere, fast schon durchsichtige Ausführung mit rund 11.5 g/m2 verwenden wir am I’ll be back urban flow edition und C’est la vie, darling, sowie leaving rome. Eine etwas schwerere Variante in transluzidem weiss, grün, blau oder silber an den Hyperlights und der urban rhythm edition des IBB. Dieses Laminat wiegt etwa 17.5 g/m2 und ist von Zeit zu Zeit auch in anderen Farben erhältlich, z.B. einem gedimmten honig-farbenen Ton.

  • Sanftes Gleiten in windstillen Momenten

    Der Feierabend ist mehr als verdient, die Luft
    ist lau, und ein paar Schäfchenwolken stehen
    wie festgeklebt am blauen Himmel. Die richtige
    Stimmung, um aufs offene Feld zu gehen und
    einen Drachen steigen zu lassen.

    Aber ohalätz – nirgends weht ein Lüftchen!
    Kein Problem mit einem Null-Wind-Drachen.

    Text: Christoph Abt © ch 2011


    Anfang der 90er Jahre habe ich mit dem Drachenfliegen begonnen. Ich war fasziniert von diesen Lenkdrachen, die an zwei Leinen durch die Luft pilotiert werden und dabei die verrücktesten Figuren fliegen können, sagt Thomas Horvath. «Allerdings braucht es Wind, um solche Drachen fliegen zu lassen. Und genau dieser Wind fehlte meist, wenn ich abends aus der Stadt fuhr, um mit meinen Drachen zu spielen», erzählt er weiter.

    drachen gleitet über dem silvaplana-see.
    „the long way home“ über dem Silvaplana-See. © Markus Egger

    Nach 100 Protoypen endlich so weit

    Der an der ETH ausgebildete Architekt konnte dies nicht einfach so hinnehmen. Es musste doch einen Weg geben, um auch an einem windstillen Abend einen Drachen steigen zu lassen. Also begann er zu tüfteln und zu experimentieren. Computerberechnungen halfen ein Stück weit, aber das Zusammenspiel zwischen Drachen und Wind liess sich nicht im Atelier simulieren. Doch Thomas Horvath ist ein hartnäckiger Mensch. Nach bestimmt 100 Prototypen war er so weit: Seine Drachen, befestigt an nur einer einzigen Leine, flogen bei Windstille. Und sie waren lenkbar.

    Zum guten Glück genügte dem Tüftler dieses persönliche Erfolgserlebnis noch nicht. Im Gegenteil, er witterte eine Marktnische, die er füllen könnte. Also begann er, von einem seiner Drachen, den er «Long way home» (langer Weg nach Hause) taufte, eine erste Serie zu produzieren. Drachenfans kauften ihm in der Folge den Segler mit einer Spannweite von fast 2,8 Metern schneller ab, als er die Teile herstellen konnte.

    Für Lebenskünstler und für Vielgestresste

    Mittlerweile ist der «Long way home» ein Kultflieger für ausgedehnte, majestätische Flüge in schönen Stunden mit wenig oder null Wind. Aber Thomas Horvath, der heute nahezu ausschliesslich vom Drachenbau lebt, hat inzwischen weitere Modelle entwickelt. Zum Beispiel den «Urban Ninja», einen etwas kleineren, agilen Drachen, der auf einem Parkplatz, in einem Park oder einer Halle geflogen werden kann. «Eine Vision für den ‹Urban Ninja› war, dass ein Banker nach einem erfolgreichen Geschäft auf dem Paradeplatz mit seinem Drachen einen Freudentanz aufführt», schmunzelt Horvath.

    Ob es bereits dazu gekommen ist, entzieht sich der Kenntnis von Thomas Horvath. Aber die bohrende Frage bleibt im Raum: Fliegen Horvaths Drachen tatsächlich bei null Wind? Und, falls sie dies tun, macht es auch Spass, mit ihnen ein paar Minuten oder Stunden Freizeit zu verbringen? Die Antwort lautet: Ja, aber.

    Erfolg beim ersten Flugversuch

    Zuerst zum «Ja»: Bewaffnet mit dem neuesten Modell aus Horvaths Atelier, dem «De Tomaso Superleggera», und einigen Tipps vom Meister persönlich ging es an einem windstillen Sonntagnachmittag auf den Schulhausplatz. Der Zusammenbau des formschönen weissen Drachens war innerhalb von wenigen Augenblicken bewerkstelligt. Und die ersten Flugversuche mit einigen wenigen Metern Leine waren erfolgreich, zumal nahezu jeder vorbeiradelnde Velofahrer das durch die Luft gleitende Objekt bestaunte.

    Doch dann stiess der 23-jährige Sohn hinzu, sichtlich angetan von des Vaters Drachenbegeisterung. Und der Sohn rollte die Leine auf mehr als 30 Meter aus, bevor er den «Superleggera» mit einem satten Ruck an der Leine in die Höhe zog. Der Drache stieg und stieg, und er flog – wunderbar mit weisser Silhouette gegen den blauen Himmel – erhaben über den Schulhausplatz, als wäre solches Schweben seine natürliche Bestimmung.

    Übermut wird sofort bestraft

    Und nun zum «Aber»: Herausgefordert von des Sohnes natürlichem Drachenfliegertalent rollte der Vater die Leine noch einige Meter weiter aus. Und tatsächlich: Nach einem beherzten Rupf am Kabel (wie die Drachenschnur in einschlägigen Kreisen genannt wird) stürzte sich der Drachen förmlich in den Himmel und stieg rasch höher und höher. Doch ausgerechnet in diesem Erfolgsmoment setzte ein kleines Lüftchen ein, und der weisse Flieger driftete in Richtung Gemeindehaus.

    Den nachfolgenden Akrobatenakt mit Leiter und Schere hat hoffentlich niemand gefilmt und auf YouTube gestellt. Jedenfalls konnte der «Superleggera» gerettet werden, und der Abwart hat mittlerweile das Gemeindehaus von der abgeschnittenen gelben Drachenleine befreit. Zurück blieb die Erkenntnis, dass vor dem ersten Drachenflug die beiliegenden Anleitungen vollständig durchgelesen und wirklich ernstgenommen werden sollten.

    Denn da steht beispielsweise, dass man bei ebendiesem ersten Flug viel freien Platz suchen und nicht in der Nähe von Strassen, Bäumen, Stromleitungen und anderen Hindernissen fliegen sollte. Also auch nicht wenige Meter neben dem Gemeindehaus. Und da man einen Horvath-Drachen mühelos auf 60, 100 oder gar höher als 200 Meter Höhe steigen lassen kann, sollte auch die Nähe von Flughäfen gemieden werden.

    Nur das Leichteste ist gut genug

    Dies alles gilt natürlich nicht für die kleinen und kleinsten Modelle. Wer den «Urban Ninja» beherrscht, dem genügt im Prinzip ein Hinterhof oder ein Grossraumbüro für einen Drachenflug. Allerdings ist bei solchem Drachenspiel Konzentration und viel Gefühl mit der Leine angesagt, denn sonst droht rasch eine mehr oder weniger folgenschwere Kollision mit einem Fenster oder einer vollen Kaffeetasse. «Mit dem ‹Urban Ninja› wollte ich ein fliegendes Objekt für Leute schaffen, welche sich bis anhin nicht für Drachen interessierten», erzählt Thomas Horvath.

    Schön klingende Namen und kühne Visionen in Ehren, aber wieso fliegen diese Dinger wirklich, obwohl kein Windchen bläst? Die lückenlose Antwort würde Seiten füllen, deshalb nur so viel: Die Drachen von Thomas Horvath sind alle leicht, sehr leicht sogar. So wiegt der vom Autor getestete «Superleggera» mit einer Spannweite von 1,3 m nur ganze 31 Gramm. Dies ist nur möglich, weil der Konstrukteur leichteste Materialien wie Karbonröhrchen, zähe Ultraleicht-Folien und dehnungsarme, synthetische Drachenschnüre verwendet.

    Um einen derart leichten und doch ansehnlich grossen Drachen in die Höhe zu bringen, reicht ein subtil dosiertes Ziehen an der Leine. «Im Wesentlichen fliegen meine Drachen durch Energie, die der Mensch mit der Leine überträgt», erklärt Horvath. «Und hundertprozentig windstill ist es sowieso nie. Irgendwelche feinen, kaum wahrnehmbaren Luftströmungen sind stets vorhanden, und das reicht ihm, um minutenlang in der Luft zu schweben.»

    Qualität ist nicht gratis

    Und schliesslich werden sämtliche Drachen von Thomas Horvath persönlich von Hand gefertigt, eingestellt und kurz getestet. «Eine ungenau geschnittene Folie, eine unsauber genähte Stelle, und schon stimmt die Geometrie eines Drachens nicht mehr, und er fliegt nicht, wie er sollte», sagt er. «Speziell bei einem auf das Wesentliche reduzierten Design ist es einfach wichtig, dass jedes Teil präzise hergestellt wird», betont er.

    So fabriziert der ETH-Architekt in seinem Atelier – je nach Bestellungseingang auf seiner Website – grosse und kleine Drachen. Dazu nutzt er hochpräzise, computergesteuerte Maschinen und selbstgebaute, clevere Apparate wie beispielsweise einen für das Abmessen und Aufwickeln von Drachenschnur umgebauten Plattenspieler. «Anders als in der Architektur und im Industrial Design begleite ich jetzt lückenlos alle Schritte, von der Idee über verschiedene Entwürfe bis hin zum Serienprodukt. Hinzu kommen Wareneinkauf, Herstellung, Vermarktung, Vertrieb und Kundenbetreuung. Das ist viel Arbeit, aber sie ist abwechslungsreich, spannend und befriedigend», resumiert Thomas Horvath.

    Nun, die Null-Wind-Drachen von Thomas Horvath sind nicht gerade billig – ein günstigeres Modell (der vom Autor getestete «Superleggera») kostet über 200 Franken. Aber mit etwas gesundem Menschenverstand eingesetzt, geht so ein Teil auch nie kaputt. Zudem ist alles durchdacht, von der Verpackung in einer schlanken, nahezu unzerstörbaren schwarzen Kunststoffröhre bis hin zum Zusammenbau des Flugobjekts. So, wie man dies von einem Schweizer Produkt eigentlich auch erwartet. Nicht umsonst schreibt das renommierte Architekturmagazin «Hochparterre» über die innovativen Flugspielzeuge aus Zürich: «Schlicht, funktional, minimal, präzis.»

     

    Dieser Artikel ist im Kundenmagazin der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich erschienen.

  • Das Gewicht von Material und Drachen

    Gewicht eines normalen Drachens

    Das Gewicht eines Drachens, ob Leichtwind-, Normalwind- oder Sturmdrachen, spielt eine relevante Rolle in den Flugeigenschaften wie Stabilität und fliegbares Wind-Spektrum. Im allgemeinen beobachten wir:

    Je leichter ein Drachen – auch z.b. ein relativ schwerer Kastendrachen – desto weniger werden unerwünschte Phänomene wie massenbedingtes Einschwingen (Resonanz) auftreten. Die Luft soll den Drachen halten, nicht seine Masse.

    Das anzustrebende Ideal ist ein extrem leichter, bei stärkeren Winden aber mechanisch und statisch stabiler, verwindungssteifer Drachen.

    Synergetische Nullwind-Drachen

    Generell: Je leichter ein Horvath-Drachen, desto langsamer sind alle Bewegungen, und zwar jene des Drachens wie auch des Piloten. Die Effekte der Luft werden in Relation zu jenen der Masse bestimmender.

    So fliegt z.b. ein I’ll be back spectra laminate urban flow edition, Gewicht 11 Gramm, sehr langsam und ruhig. Er schafft gerade noch einen 360°-Flatspin. Der Pilot geniesst viel Zeit mit zuschauen, was sein Gerät macht.

    Am anderen Ende der Skala ist der Urban ninja: the numbers angesiedelt. Bei ähnlicher Grösse verfügt er über mehr Masse (Icarex vs. Dyneema Composite Fabric) und die Effekte der Luft sind nun weniger bestimmend. Dieser Drachen performt, mit impulsiven Inputs, mehrere Flatspins in Serie, aufwärts wenn in Thermik. Alles wird schneller und lebendiger, es steckt mehr Energie im ganzen System. Schwerer darf ein Nullwinddrachen aber nicht sein.

    Ob ich hier und jetzt einen kinetisch aktiveren Drachen oder einen langsam schwebenden starte, ist eine situative Entscheidung. Weht ein wenig Wind und bin ich eher in spielerischer Stimmung, fliege ich einen reaktiven synergetischen Drachen. Suche ich den ruhigen Moment – einfach mal nichts tun, schwebe ich mit einem ultraleichten Drachen.

    Ein extrem leichter Drachen aus Spectra-Laminat, Dyneema.
    „The long way home handling compact stradale“, „De tomaso honey“, „Like a rolling stone ultralight“, „De tomaso superleggera“ sowie „The long way home“ sind in extrem leichten Versionen erhältlich. Sie heissen „Hyperlight“.

    Gewicht und Qualität

    Zur profanen Technik dahinter: Wir legen alles, was wir in der Produktion verbauen, auf die Präzions-Waage und kontrollieren sporadisch, ob die Werte eines Materials oder einer Komponente innerhalb der Toleranz liegen, welche in unserem Atelier eng gesteckt ist.

    Oft sieht man es auch sofort per Auge oder fühlt es in der Hand, wenn etwas nicht stimmt. Verzogene Guss-Teile, unrunde Carbon-Rohre, ungenaue Bohrungen und weitere komisch vom Standard abweichende Sachen: aussortieren und entsorgen.

    Stoffe wie Icarex

    Wenn normalerweise das Gewicht des Drachenstoffes Icarex pc31 mit 31g/m2 angegeben wird, so hat das seinen Ursprung in der Textilindustrie und deren Gewichts-Einheiten wie z.b. die Segelmacher-Unze. Solche Angaben beziehen sich in aller Regel auf das Rohgewicht vor der Beschichtung des Tuches. Icarex ist beidseitig mit Polycarbonat beschichtet, deshalb liegt das gewogene Flächengewicht bei ca. 36g/m2.

    Folie, Laminat, Dyneema

    Nach Tests wird nicht jeder Leichtwinddrachen mit teuren, ultraleichten Materialien besser fliegen.

    Wenn bei Anbietern Drachen aus sogenannten Indoor-Mylar-Laminaten angeboten werden, die mit 21g/m2 angegeben sind, werden deren Segel effektiv zwischen 25 und 38 g/m2 wiegen, netto. Da eignet sich Icarex definitiv besser zum herstellen von leichten Drachen, die auch im Alltag widerstandsfähig sind.

    Weisse matt transluzente hdpe-Folie in 20 g/m2 wird eigens für uns in der Schweiz hergestellt. Diese Folie ist beim Bauen kleiner Drachen angenehm zu falten und zu kleben. Das verhalten in der Luft ist weich und geschmeidig. Deshalb verwenden wir es für den Sticky 3.7 und den Sticky wing in Workshops, bei uns im Atelier in Zürich oder bei dir in der Firma.

    Das teure Spectra-Laminat verwenden wir für die I’ll be back editions und C’est la vie, darling in der leichtesten Variante. Andere Special-Editions sind als hyperlights erhältlich, sie sind grösser und das Laminat um eine Gradation stärker. Das Material heisst seit einiger Zeit „Dyneema Composite Fabric“, früher hiess es „cuben fiber“. Wenn nicht das ganze Segel aus diesem Material besteht, sind doch wichtige Verstärkungen an allen unseren Drachen daraus hergestellt. Leichtigkeit bestimmt auch die kleinsten Details.

    Carbon-Rohre

    Bei konischen Carbonrohren wie z.b. Skyshark 2pt können aufgrund des Stück-für-Stück Prepreg-Herstellungsverfahrens erhebliche Gewichtsdifferenzen bis zu plus-minus 10% auftreten. Deshalb verwenden wir in der Produktion des The long way home paarweise gewogene Skysharks.

    Pultrudierte Carbonrohre können offenbar genauer produziert werden. Nach unserer Erfahrung aber nur innerhalb einer Serie. Zwischen verschiedenen Serien können ähnliche Toleranzschwankungen auftreten.

    An einem präzise ausbalancierten symmetrischen Drachen sind Flügel- und Leitkanten-Komponenten ausnahmslos paarweise abgestimmt.

    Günstige pultrudierte Carbonrohre haben oft die Tendenz, unrund zu sein. Die Steifigkeit und mechanische Stabilität ist je nach Drehung unterschiedlich. Dadurch sind sie schwach und anfällig. Für unsere Drachen verwenden wir deshalb nur speziell hochwertige Carbonrohre, die sind rund.

    Carbon-Stäbe

    Carbon-Stäbe (technisch: Rundstäbe, Vollmaterial) sind mechanisch sehr viel stärker belastbar als Rohre. Ihr idealerweise exakt runder Querschnitt deformiert sich kaum und ist dimensions-stabil. Deshalb lassen sie sich enger biegen und stärker lateral belasten, bis hin zu brutal.

    An unseren kleinen Drachen wie z.B. I’ll be back oder The numbers bilden oft ø 1.5 mm Carbon-Stäbe die Struktur. Sie sind kaum schwerer als Rohre mit gleichem Durchmesser, aber praxis-tauglicher, sprich quasi unzerbrechlich und fast nicht zu zerquetschen. Die Enden können wir schön zu einem speziellen Profil schleifen und polieren, da genug volles Material da ist.

    Man könnte Rohre bei Moment-Spitzen oder mechanisch stärker belasteten Abschnitten wie z.B. die Enden füllen (Epoxy, teleskopisch eingeführte Vollstäbe etc.). Das wäre im Fall unserer Drachen aber zu teuer und vorallem: schwerer. Zudem verlassen wir uns gerne auf statisch ausgewogene synergetische Konstruktionen ohne extreme Belastungs-Spitzen. Lieber nichts hinzufügen.

    Keep it light and smooth.

  • Fein-Tuning der Symmetrie

    Drachen über dem See in Vitoria Gasteiz.
    Ein „urban ninja“ über einem der kleinen Seen im Flachland um Vitoria Gasteiz. Wenn die Symmetrie ok ist, werden die Gleit-Sequenzen des Drachens gerade und effizient sein.

    Wir gehen schön ausbalanciert in die Luft: Anders als ein Zweileiner-Lenkdrachen oder gar ein Revolution an vier Flugschnüren hat ein aktiver Einleiner-Drachen den Geradeausflug nach oben quasi eingebaut. Dazu muss er sehr symmetrisch gebaut und einigermassen symmetrisch eingestellt sein. Mögliche Asymmetrien:

    Rahmen

    Gezogene Carbon-Rohre und umwickelte Fiberglas-Stäbe sind nie ganz gerade und haben manchmal eine steifere und eine weichere Seite, abhängig von der Qualität des Materials. Dreht man das Rohr einer Leitkante oder z.b. die Querspreize, wird man spüren, wie es in eine bevorzugte Längs-Richtung springt. Die skyshark 2pt’s im „the long way home“ sind gerade und paarweise gewogen, diese kannst du hier ausser acht lassen.

    Obwohl die Rohre links und rechts in den Leitkanten bei allen unseren Drachen immer aus dem selben Rohling geschnitten sind, kann es beim Aufbauen des Drachens vorkommen, dass die beiden Seiten genau diametral wirken: links zum Beispiel alle Rohre und Stäbe in der starken Lage, rechts alles weicher.

    So wird eine Seite des Drachens schneller, meist auch mit mehr Auftrieb verbunden, während die andere Seite des Segels weniger gespannt sein wird, dadurch weicher und langsamer.

    Was tun

    Meist reicht ein gutes Durchrütteln des Drachens vor dem Start, und das Gestänge in den Leitkanten wird sich in seine spannungsärmste symmetrische Lage drehen, vorallem in den langen Flügeln von Drachen mit hoher Streckung. Gehört zum generellen Start-Check.

    Segel

    Ausser beim The urban ninja und anderen Delta-Designs (welche eigentlich fast keine Flügel haben) sind die Flügelspitzen wichtige Elemente der aerodynamischen Symmetrie. Sie liegen weit aussen und wirken als langer Hebel auf die Achse des Drachens.

    Nach dem Aufbau oder einem Wingtip-Bodenkontakt kann eine Flügelspitze genau in der ebene des Segels liegen, die andere jedoch schaut z.B. nach unten. Diese Seite wird langsamer fliegen und ein unerwünschtes Drehmoment auf den Flieger ausüben.

    Was tun

    Die Wing-Tips vor dem Start von Hand glätten, oder im Flug mit einigen satten Impulsen das Segel straffen, was die Flügelspitzen geraderichten sollte (durch die Konstruktion mit reibungsarmen Endstücken begünstigt). Teil des generellen Start-Checks.

    Gewicht

    Auch hier wirken die weit aussen liegenden Flügelspitzen, wenn sie ungleich schwer sind. Dafür gibt es zwei mögliche Ursachen: Wasser und Sand. Kondenswasser am Abend oder Regen läuft in der Leitkante nach unten und sammelt sich unten in der wasserdichten Flügelspitze.

    Am Sandstrand dringt Sand durch die Leitkanten-Öffnungen ein und wird sich leider ebenfalls nach unten bewegen und in den Flügelspitzen als störender Ballast wirken. Diese Vorgänge laufen fast immer asymmetrisch ab.

    Was tun

    Icarex und Dyneema-Laminate sind fast dampfdicht, deshalb kann es lange dauern, bis eine innen feuchte Leitkante trocknet.

    Das Loch ganz unten an der Flügelspitze begünstigt die Luftzirkulation und entwässert auch während des Fluges recht effizient. Sand kann dort ausgeschüttelt oder zuhause mit dem Staubsauger entfernt werden.

    Toleranz

    Mit lockerem Segel und eher steil eingestellter Waage werden alle unsere synergetischen Drachen toleranter gegenüber Asymmetrien und bei Wind grundsätzlich stabiler in der Luft stehen, womit sich auch für statische Flüge der nutzbare Windbereich nach oben hin erweitert.

    Hohe Flüge

    Die ultimative und einfache Massnahme zur Erhöhung jeglicher Toleranz ist der Stabilizer™ für einige unserer Drachen. Ein Muss für hohe Flüge bei stärkerem Wind mit der „de tomaso“ Serie oder dem „urban ninja“.

    Testflug

    Vor einem langen, hohen Flug mache ich einen kurzen Start-Check. Ich prüfe den Drachen optisch auf seine Symmetrie, von vorne (Nase zeigt zu mir) und von hinten. Dann die oben genannten Symmetrie-Checks und kurz in die Luft, am besten mit einem möglichst geraden Hochstart.

    Jetzt lande ich gerne mal kurz, ordne vielleicht nochmals das Kabel, um unbeschwert den hohen Flug zu starten.

    Anmerkung

    Für ein kurzes Schweben im Alltag, z.B. mit dem „superleggera“ oder dem „i’ll be back“ sind die genannten Massnahmen meistens gar nicht nötig. Für sehr hohe, ausgedehnte und lange Flüge lohnen sich die Checks.


    Etwas ganz anderes, exakt das Gegenteil, aber faszinierend:
    Zur Kunst asymmetrischer Drachen. Istvan Bodozcky aus Ungarn baute viele Jahre asymmetrische Drachen aus einfachen Materialien wie Papier, Holz und gespaltenem Bambus. Es gab einmal dieses Buch: Istvan Bodozcky: Hidden Symmetry, im Verlag „the Drachen Foundation“. Wer einen Blick hinein werfen will, kann das in unserem Atelier gerne tun. Istvan Bodozcky starb im Herbst 2020.

  • Flugschnur für leichte Drachen

    Zero .4 .5 .6 Flugschnur

    Die geflochtenen Dyneema-Flugschnüre (Dyneema DSM Niederlande, Spectra Honeywell USA) werden speziell für das Fliegen unserer Nullwind-Drachen hergestellt. Sie sind nicht mit den Drachen inbegriffen, damit du für deine Flüge genau die richtigen wählen kannst. Kurze Flug-Schnüre sind auf den ultraleichten Microwinder™ gespult, lange auf die asymmetrische z.125-Spule, beides Designs aus dem Drachen-Labor.

    Drachen und Schnüre über dem Fluss.
    Eine der Eigenschaften von Dyneema-Spectra: Wenn nass, wird es kaum schwerer und trocknet danach sofort. Es ist leichter als Wasser.

    Das Interface zu deinem Drachen

    Synergetische Drachen sind unter einem primären Aspekt konzipiert, designt und gebaut: dreidimensionales Fliegen ohne Wind, vielleicht auch mit ein bisschen. Dazu brauchst du die geflochtene Zero.4.5.6 high-tech Drachenschnur aus Dyneema für den direkten Kontakt zum Drachen.

    Die maximale Flughöhe bei noch gutem Kontakt zum Drachen erreichst du mit dem Long way home und einer sehr langen Zero.5 Leine (so nennt man das in Deutschland). Eine Zero.6 bei Flügen bis vielleicht 100 m hat aber generell ein besseres Handling: Angenehmer Grip und am Boden wegen seiner Masse, dem grösseren Volumen und der guten Sichtbarkeit praktischer zu sortieren.

    Ähnliches gilt für den Urban ninja oder Dt superleggera: Bei sehr hohen Flügen ist eine Zero.4 Flugschnur das richtige, für’s rumspielen aus Handling-Gründen eine Zero.5, in engen Verhältnissen im Hinterhof auf Asphalt darf es auch eine kurze Zero.6 sein. Auch leichte Indoordrachen wie der Like a rolling stone ul können sich an einer kurzen, schwereren Schnur durchaus wohlfühlen.

    Bei der Wahl der Flugschnur für einen Flug können subjektive, situative Aspekte mitspielen: So ist eine dickere Schnur bei relaxten Flügen in einem Hauch von Wind angenehmer in der Handhabung. Eine dünnere jedoch hilft, die Effizienz des Drachens maximal auszuschöpfen.

    Kurze oder lange Flugschnur

    Kurze Flugschnüre auf Microwinder sind praktisch bei Flügen in der Stadt, drinnen oder z.b. auf der Bühne. Am besten legst du die gesamte Länge am Boden aus, nimmst den Winder von der Schnur und steckst ihn in die Tasche. So hast du keine Probleme mit der Schnur am Boden.

    Wir lieben die 17-m-Schnüre auf Microwinder. Sie sind so praktisch, dass du oft auf eine lange Schnur verzichten kannst.

    Fliegst du mit langer Flugschnur auf der Spule, legst du vielleicht 40 m sauber am Boden aus. Dazu legst du die Spule mit dem Griff nach unten auf den Boden und nimmst die Flugschnur oben von der Spule.

    Beim Aufspulen nach dem Flug hältst du die Spule am Griff und wickelst die Schnur mit der anderen Hand auf. So wird sie immer von der gleichen Seite ab- und aufgewickelt und nicht verdrillt. Billige Drachenschnüre aus Nylon oder Polyester verdrillen schnell und verbrennen deine Finger, you get what you pay for.


    Produkte:

    Kurze FlugschnurLange Flugschnur

  • Einstellungen an kleinen Drachen

    Der i’ll be back, der c’est la vie darling, urban ninja the numbers und auch der sticky 3.7 sind einfacher aufgebaut als die übrigen synergetischen Nullwind-Drachen, primär fehlt ihnen die Y-Line. Diese regelt die effektive Länge der X-Line und damit die Spannung oder besser Entspannung des gesamten Segels.

    Setup eines kleinen Drachens, Diagramm.
    Die X-Line befindet sich hinter dem Segel zwischen den Leitkanten-Connectors, eine Y-Line gibt es an den kleinen Drachen nicht.

    Es bleiben die übrigen Einstellungen:

    Die Waage steiler für ruhigere, stabilere Flüge oder flacher für agileres, reaktiveres Verhalten.

    Z-Line kürzer (3 Schlaufen um die Spreize) zur Stabilisierung des Geradeaus-Gleitens mit ausgeprägter V-Form. Oder länger (1 Schlaufe um die Spreize) für lebendigeres Gleiten mit dem jetzt flacheren Drachen. Das Standard-Setup der Z-Line besteht immer aus 2 Schlaufen um die Spreize, bei jedem unserer Drachen.

    Die Änderung der Segelspannung beim variieren der Z-Line wird normalerweise mit der Y-Line kompensiert, also was tun bei den kleinen Nullwind-Drachen?

    Schieben der Leitkanten-Connectors

    Die Normal-Position der Spreizen-Flügel-Verbinder ist auf dem Segel mit der schwarzen Markierung angegeben. Genauer: Die X-Line zwischen Stopper und Connector liegt genau auf dieser Höhe. Das ist bei allen unseren Drachen so, senkrecht zur Leitkante gesehen.

    Stopper nach oben schieben (zur Nase hin): Die wirksame länge der X-Line wird vergrössert, die Segelspannung nimmt zu, die kompakten Drachen gleiten schneller. Oder zu schnell, vorallem wenn sie neu sind.

    Stopper nach unten schieben: die X-Line wird effektiv kürzer, was das Segel entspannt, schön. Die kompakten Drachen gleiten langsamer und schweben ausbalanciert.

    Mittels Schieben dieser Stopper kann auch die Symmetrie eines Drachens feinjustiert werden. In seltenen Fällen kann man auch gewollt eine Tendenz zum Drehen in eine Richtung vorgeben, z.b. bei speziellen Indoor-Flügen.

    Spannung entlang dem Kiel

    Diesmal ganz einfach und für alle Darchen: Je schlaffer das Segel entlang des Kielbereichs (Spannung zwischen Nase und Heck), desto ruhiger wird dein Drachen fliegen, ob gross oder klein, delta- oder flügelförmig.

    Ziehst du an der Nase die Schnur ein wenig an, bis das Segel unter leichter Spannung steht, wird der Drachen agiler, da er die Nase schneller heben wird. Nach einem Flatspin ist er dann sofort bereit, wieder zu steigen.

    Das Segel der kleinen Drachen

    Ein fabrikneuer kleiner Horvath-Drachen fliegt ein wenig zu schnell, weil der plane glatte Icarex-Stoff oder das Dyneema-Laminat noch wenig Luft greift. Deshalb sind die Connectors ab Werk meistens einige Millimeter unterhalb der Marke auf dem Segel.

    Es tut jedem unserer Drachen gut, ihn mal eine Stunde bei Wind oben zu lassen, damit das Segel geschmeidiger wird. Es darf dabei rascheln. Dann wirst du die Connectors leicht verschieben, um deine bevorzugten, ausgeglichenen Flugeigenschaften zu finden.

  • Nullwind-Drachen: die Features

    Details eines Nullwind-Drachens.
    De tomaso superleggera: Details und das 860 x 50 mm Tube™.

    Segel

    icarex pc31

    Die meisten Drachen sind mit einem Segel aus Icarex® bespannt, einem leichten polycarbonat-beschichteten Polystergewebe. Das Material ist uv-stabil, abriebfest, formstabilund kommt in vielen Farben .

    Die Drachen sind ultraleicht.

    dyneema composite fabric

    Einige in transluzentem Spectra-Laminat sind noch leichter. Es gibt kompakte Drachen und die Hyperlight Serie. Die offizielle Marke des leichten Laminats heisst heute Dyneema Composite Fabric®.

    Wir verwenden das schöne Material seit 15 Jahren, als Segel oder für punktuelle Verstärkungen. Leider hob der Hersteller DSM die Preise spektakulär an, deshalb sind unsere Dyneema-Laminat-Drachen teuer.

    Rahmen

    Rohre und Rundstäbe

    Die Rahmen sind generell aus präzise abgestimmten pultrudierten Carbon-Rohren aufgebaut oder, bei den kleinen Modellen aus quasi unzerbrechlichen Carbon-Vollstäben.

    Die klassischen Flügel-Designs besitzen teleskopisch gefügte, flexible Flügelspitzen entweder aus unzerbrechlichem umwickelten Fiberglas oder hauchdünnem Carbon.

    Konische Rohre

    Den „the long way home“ halten konische handgewickelte Carbonrohre in Form, sie heissen „skyshark“. In unserer Produktion sind es die leichtesten „2pt“ in zwei Längen.

    Die Spezifikationen siehst du jeweils unten auf den Produkt-Seiten unter „Facts“.

    Zubehör

    Tube

    Das robuste, schwarze und staubdichte Tube™ schützt deinen Drachen on the road und schon während dem Versand. Der Durchmesser ist 50 mm, die Längen zwischen 300 mm und etwa 1.10 m.

    Alle Drachen kommen im Tube, hergestellt in der Schweiz aus hdpe.

    Flugschnur

    Leichte, dehnungsarme Dyneema-Schnüre in 3 Stärken und kurz oder lang, bitte separat zu deinem Drachen bestellen.

    Stabilizer

    Für „de tomaso superleggera“ und „the urban ninja“ ist optional der Stabilizer™ erhältlich, gut bei hohen Flügen an langer Schnur im Wind.

    Bedienungsanleitung

    Das Online-Manual mit Einstellungen und Flugtechniken findest du jeweils unten auf unseren Seiten. Um die Umwelt ein wenig zu schonen, verzichten wir seit einiger Zeit auf eine gedruckte Bedienungsanleitung.

    Flug mit einem Nullwind-Drachen.
    De tomaso superleggera gleitet auf- und abwärts, Delta-Design.

    Grafiken zeigen unsere Drachen oft objektiv und massstäblich von vorne. Beim aktiven Nullwind-Fliegen werden sie jedoch meistens horizontal gleiten oder sich in Flatspins drehen, nur bei statischen Drachenflügen stehen sie wie objektiv orthogonal dargestellt in der Luft.

    Drachen direkt vom Erfinder

    Unsere synergetischen Nullwind-Drachen sind die ersten und einzigen in der X-Y-Z-Line Konfiguration mit variabler 3d-Spreize. Sie haben das Drachenfliegen an einer Flugschnur ohne Wind begründet und dieses neue Genre weltweit etabliert.

    Nur die Hersteller hq-Invento (hq hybrid 130-200-240) und Volango-Kitewalker (zero 1.1 und urban ninja 93) besassen für einige Zeit Lizenzen, Teile dieser innovativen Technologie zu implementieren, alle anderen ähnlichen Drachen ohne unsere Marke sind nicht autorisierte Kopien.

    Das Design unserer Drachen ist geschützt. Die X-Y-Z-Line™ Konfiguration mit variabler 3d-Spreize™ wurden 2002 im Drachen-Labor™ erfunden und sind dessen geistiges Eigentum.

    Ebenso der Stabilizer™, der Microwinder™, die zero.124™ Spule, die zero.125™ Spule und natürlich das schwarze Tube™. Spectra-Laminate™ ist unser eigenes zeitloses Naming für Dyneema Composite Fabric, welches früher „cuben fiber“ hiess.


    Mit Hilfe all dieser Technologie entsteht ein neues Paradigma:
    Freies Schweben ohne Wind.
    Es ist die grundlegende Idee, immateriell und die wichtigste.

  • Aufbau des ibb-tiny-300

    1 Entpuppen


    Aus dem Tube.

    • Öffne die rechte Seite des Tubes.
    • Achte auf die 2 Vinylkappen, welche die beiden losen Segmente der Spreize zusammenhalten.
    • Eine kurze Zero.4-Flugschnur wird ebenfalls da sein, wenn du eine bestellt hast.
    • Falte das Segel vollständig auf und lege es aus.

    2 Aufbau


    Aufbau des Drachens Schritt 1: Verbinden der Karbon-Spreizen-Teile.

    • Zuerst montierst du den Kiel des Drachens.
    • Die Schiebe-Muffe befindet sich am oberen Teil des Kielstabes.
    • Schiebe die Muffe über den unteren Teil des Kielstabes bis zum Stopper.
    • Der Kielstab ist jetzt fertig zusammengesetzt, es folgen die Flügel.

    Aufbau des Drachens Schritt 3: die Flügel-Struktur zuerst nach unten , dann nach oben schieben.

    • Schiebe die oberen Flügel-Stäbe nach unten, bis sie die Position „2“ erreichen.
    • Nun wieder nach oben, nach links im Bild, in die Taschen der Leitkanten.
    • Der rote Punkt auf dem Segel ist viel kleiner und schwarz auf deinem Drachen.

    Aufbau des Drachens Schritt 4: Einsetzen des oberen Flügel-Stabes in die Muffe des unteren Teiles.

    • Schiebe den oberen Flügel-Carbon-Stab nach unten in die kleine Aluminium-Hülse.
    • Die Hülse ist am unteren kurzen Flügelteil befestigt, die Einstecktiefe beträgt 10 mm.
    • Neu sind hier grosszügige Ausschnitte anstelle der Löcher.

    Aufbau des Drachens Schritt 5: Die schlussendliche Position der Flügel-Struktur.

    • Dies ist die schlussendliche Position der Flügelstruktur, Fabrik-Einstellung.
    • Die X-Line liegt auf Höhe des Punktes auf dem Segel, senkrecht zur Leitkante gesehen.
    • Übrigens: das Segel ist aus Dyneema Composite Fabric, Icarex und Dacron.

    • Dein Drachen ist jetzt im Zustand eines „nicht-tiny“.
    • Er kann nicht ganz flach liegen, weil das Ganze 3-dimensional ist.
    • Das wird die synergetische Spreize ausformen.

    Aufbau des Drachens Schritt 7: Die Spreizen-Segmente miteinander verbinden.

    • Zum Schluss nimmst du die beiden Segmente der Spreize aus der Vinylkappe.
    • Die Muffe hält stärker an einem der Segmente, hier das linke.
    • Zur Kappe Sorge tragen, da sie die beiden Spreizen-Segmente beim Tubing zusammenhält.
    • Die beiden Muffen sind jetzt neu aus einem präzise gedrehten Stück ABS gefertigt.

    Aufbau des Drachens Schritt 8: Leitkanten-Connector auf Höhe der Marke auf dem Segel.

    • Der aufgebaute, startklare Drachen: Rückansicht der Spreizen-Position.
    • Diese Geometrie setzt sich von selbst.
    • Die Spreize drückt die gesamte Flügelstruktur leicht nach unten.

    Aufbau des Drachens Schritt 9: der synergetische Drachen zur 3-dimensional Struktur aufgebaut.

    • Die Vorderseite des ibb-tiny-300 sieht so aus.
    • Durch die z-Line wird der Kiel des Drachens in eine leicht konvexe Geometrie gezogen.
    • Die Flügel werden durch die Spreize elastisch auseinandergedrückt.

    Aufbau des Drachens Schritt 10: die Kappe an der Nase für Flüge in grosszügigem Raum.

    • Eine der zwei Kappen, welche die beiden Carbon-Stäbe der Spreize im Tube zusammengehalten.
    • Stecke sie auf die Nase des Drachens, wenn der Raum großzügig ist.
    • Entferne sie für agiles Schweben in engem Raum.
    • Die kleinste Kappe bleibt immer auf dem Plastikteil, sie fixiert die Nasen-Spannschnur.

    3 Schweben


    Kunst von Bernhard Luginbühl mit einem Drachen von Thomas Horvath.
    Ein kinetisches Werk von Bernhard Luginbühl in Zürich Altstetten, in der Umgebung unseres Ateliers.
    • Der ibb-tiny-300 fliegt genau wie die Standardgrösse der Flow- oder Rhythm-Edition.
    • Wenn du mehr über Flug und Setup erfahren möchtest, schaue in der Bedienungsanleitung für Nullwind-Drachen oder in einigen unserer Videos nach.
    • Wenn es Zeit ist, zurück ins Hotel zu gehen, gibt es zwei Möglichkeiten:
      Falte den Drachen einfach wie jeden anderen und stecke ihn – Nase voraus – in das Tube, das dauert ein paar Sekunden.
    • Oder falte ihn komplett, um ihn im 300-mm-Tube zu verstauen. Während ein Sturm aufkommt, ist dieser Akt im Hotel bequemer.

    4 Winzig machen


    Drachen zusammenfalten Schritt 1: die Flügel-Stäbe aus den Leitkanten gezogen.

    • Die 2 Hälften der Spreize sind nun wieder durch die Nasenkappe sicher zusammengehalten.
    • Die Carbonstäbe der Flügel werden durch die Slots in der Leitkante nach unten und dann bis zu der hier gezeigten Position bewegt.
    • Jede harte Komponente, hier die Stäbe, muss die ganze Zeit parallel zum Kiel sein.
    • Du kannst die beiden oberen Flügelstäbe auch komplett herausnehmen, die kurzen Flügelenden müssen aber immer noch parallel sein.

    Drachen zusammenfalten Schritt 4: das Dyneema-Segel entlang der Werkseinstellung gefaltet.

    • Schiebe den Kielstab-Verbinder nach oben, bis der untere Teil des Kiels frei ist.
    • Jetzt kannst du das gesamte Segel auf die halbe Länge falten.
    • Einige User ziehen es vor, die Leitkanten-Stäbe vollständig aus dem Drachen zu ziehen; die kurzen Stäbe in den Flügelspitzen würde ich aber dort lassen.

    Drachen zusammenfalten Schritt 5: das Segel entlang dem Kielbereich des Drachens gefaltet.

    • Falte das ganze Segel auf die halbe Breite, es ist jetzt bereit zum Einrollen.
    • Die Referenz-Länge ist der Kielbereich.

    Drachen zusammenfalten Schritt 6: der Drachen komplett gerollt, bereit zum verstauen im Tube.

    • Der Drachen ist ziemlich locker gerollt, das reicht für das Tube mit ø 50 mm.
    • Deine komplette urbane Nullwind-Drachen-Ausrüstung ist jetzt bereit für das Tubing.

    5 Zurück in’s Tube


    Drachen versorgen Schritt 1: der Tube-Deckel hält den Drachen zusammen.

    • Ich versorge den ibb-tiny-300, wie alle anderen Drachen auch, gerne von der linken Seite her in’s Tube.
    • Der linke Deckel des Tubes umfasst dabei den Drachen und schützt ihn besonders gut.

    Drachen versorgen Schritt 2: ein kurzes Ende der Flugschnur bleibt bei geschlossenem Tube sichtbar.

    • Schliesse das Tube auf der rechten Seite.
    • Wenn du eine 20-m-zero.4-Leine zusammen mit dem Drachen aufbewahrst, kannst du sie sichtbar lassen.
    • Das ist nun das minimale, aber komplette urbane Schwebe-Equipment.

    Drachen versorgen Schritt 3: das Tube, die Flugschnur und der gerollte Drachen.

    • Manchmal lasse ich den Kiel, die Flügel und die Spreize einfach so wie sie sind, und stecke den Drachen, Nase vorwärts in’s Tube.
    • Das ist dann, wenn ich in Eile ins Hotel zurück gehe oder wenn der Drachen nass ist und ich ihn ohnehin nachts zum Trocknen ausgelegt lasse.

    Geniesse deinen bezaubernden Flug…

  • Schweizer Präzision

    Horvaths Hybrid-Serie:
    Nullwind-Drachen von HQ


    Genial einfach, oder doch einfach genial? Die Drachen des Schweizers Thomas Horvath sind nur schwerlich in irgendeine Kategorie zu pressen. Einleiner? Oder doch Lenkdrachen? Keinesfalls waren sie bis dato Massenware, denn er fertigt seine Collections liebevoll in Zürich per Hand – und das mit der üblichen Schweizer Präzision.

    So blieben Horvath-Drachen lange Zeit ein erlesenes Sahnestückchen für einen erlesenen Pilotenkreis. Doch die Zeiten ändern sich, und mit der Hybrid-Serie aus dem Hause Invento kommt nun so etwas wie der „Volks-Horvath“ auf den Markt.

    Text: Ralf Dietrich


    „Ein Hybrid“ ist dabei die blanke Untertreibung – es sind gleich drei Drachen, die von Thomas entworfen und unter dem Label HQ gefertigt werden: nämlich der Hybrid 130, der 200 und der 240. Allen drei Drachen gemein ist die Form, der Unterschied liegt alleine in der Spannweite. Und über letztere gibt der Name zweifelsfrei Auskunft. Schon beim Auspacken aus der Tasche merkt man, für was dieser Drachen gedacht ist: Indoor-, Nullwind- und Thermikflüge.

    Für die Verstabung hat man Kohlefaserrohr verwendet, wobei auch hier auf das Gewicht geachtet wurde.So sind die Flügelstäbe nicht etwa nur gemufft, nein, sie laufen zu ihrem Ende hin mit einem dünneren Stab aus. Aufgespannt wird das ganze Konstrukt durch einen dritten Kohlefaserstab, der, unter Spannung gewölbt, auf der Luv-Seite des Drachens sitzt. Das Segel besteht aus leichtem Icarex und kommt in einer Kombination aus schwarzen und weißen Paneelen daher. Auf dem unteren Paneel wurden zudem Sicherheitshinweise und die Modellbezeichnung aufgedruckt.

    Die Stabtaschen bestehen aus stabilerem Spinnaker, die Flatterkante ist mit leichtem Saumband versehen und im Bereich der Nasen- und Schwanzspitze sind kritische Stellen mit leichtem Dacron verstärkt. Sämtliche Nähte wurden mit einer sehr sauberen, dreifachen Zickzacknaht ausgeführt, der Stoffüberschuss im Bereich der zusammengenähten Segelpaneele ist vorbildlich, Kett und Schuss wurden beachtet.

    Nullwinddrachen hybrid-240 mit Silber-Print auf dem Segel.
    Es waren 3 Drachen erhältlich: Hybrid 130, 200 und 240. Die Zahlen sind die jeweiligen Spannweiten in cm. Siebdruck in Silber auf dem schwarzen Icarex-Panel.

    Alles in allem erzielen die Hybride in der Baubewertung eine absolute Topplatzierung. So und nicht anders hat ein Leichtwinddrachen auszusehen, und hätte Thomas Horvath mit seinen synergetischen Drachen nicht schon eine eigene Klasse kreiert, dies hier wäre unser Referenzexemplar für alle Folgemuster.

    Wie so oft stellt sich natürlich die Frage, ob sich dieser positive Eindruck auch in der Praxis bewährt. Aufgebaut sind die Hybride am Strand oder auf der Wiese recht schnell. Einfach die Außenstäbe zusammengeschoben und den Spreizstab in Position gesetzt, und schon kann es losgehen. Und bei drei Windstärken stehen die Drachen auch wie angenagelt am Himmel.Aber sollen sie das? Klare Antwort hierauf: Nein! Das ist definitiv die falsche Windgeschwindigkeit für diesen Drachentypus! Spaßig wird es erst bei Null-Wind. Richtig gelesen – bei Flaute. Wo andere Drachen frustriert in der Drachentasche verschwinden, kommt die große Stunde der Horvaths.

    Eine wichtige Voraussetzung sei an dieser Stelle gleich genannt: Nicht nur Drachen und Drachenflieger müssen eine Einheit bilden, auch die Wahl der richtigen Flugschnur ist eminent wichtig. Unsere gute Einleiner-Allzweckwaffe – die DacronSchnur – lassen wir mal lieber in der Tasche. Zum Einsatz kommen sollten dagegen leichte, dehnungsarme Spectra-Schnüre (Dyneema in Europa), da nur hiermit präzise Kontrolle über den Drachen ausgeübt werden kann.Und just dies ist es, was den Hybrid so faszinierend macht – er ist ein Einleiner, doch gleichzeitig auch ein Lenkdrachen! Der Drachen ist schnell auf Höhe gebracht, sei es durch einen Hand- oder einen Hochstart. Hier angekommen, heißt es zunächst, den Hybrid beobachten, denn ohne Wind fängt er garantiert bald mit irgendeiner Bewegung an.

    Und richtig! Die Nase bewegt sich ein wenig vom Piloten weg, sanfter Zug auf der Leine – der Drachen bewegt sich schräg zum Piloten. Jetzt ein kurzer, knackiger Impuls – der Drachen fängt an, sich um seine eigene Achse zu drehen. Flatspins nennen das wohl die Kollegen von der Zappeldrachen-Fraktion – aber hallo! Das macht ja richtig Spaß! Warten, bis die Nase vom Piloten weg zeigt, die Schnur kurz angebremst und gleich wieder lösen – der Drachen beginnt zu segeln. Und das nicht etwa mit einem fürchterlichen Gleitwinkel, nein, der Hybrid gleitet und gleitet und gleitet.Jetzt macht es plötzlich Sinn, wenn auf der Spule 200 Meter und mehr drauf sind. Am Ende die Schnur kurz einbremsen, Impuls geben – der Drachen richtet sich auf, Schnur einholen und wupps – der Hybrid schießt steil in den Himmel. Mann, warum hat nicht jemand so etwas Geniales schon viel früher erfunden!

    Ach doch, ja – das hat ja schon jemand. Thomas Horvath fertigt in seiner Drachenschmiede custom made Drachen, wie beispielsweise den Long Way Home, an. Auf der Drachenwiese wurden wir oft nach den Unterschieden zwischen Long Way Home und Hybrid gefragt, doch so einfach ist die Frage nicht zu beantworten.Der Long Way Home ist viel aufwändiger gefertigt, hier ist die Rede von einem Spitzenprodukt zu einem Spitzenpreis. Der Hybrid ist ebenfalls ein Spitzenprodukt, jedoch mussten im Hinblick auf einen allgemeinverträglichen Preis gewisse Abstriche beim Aufbau in Kauf genommen werden. So hat das Segel eine etwas ökonomischere Form, die Bestabung ist nicht bis in den letzten Winkel gewichtsoptimiert und auch auf Details, wie unterschiedliche Stabtaschen, wurde beim Hybrid verzichtet.

    Der Hybrid ist also nicht so hochgezüchtet, was durchaus seine Vorteile hat. Er ist dadurch nämlich auch nicht so abhängig von einer optimalen Trimmung und verzeiht Anfängerfehler vortrefflich. In der Tat haben wir bei unseren Tests des 200 und 240 zu keinem Zeitpunkt die Waageneinstellungen verändern müssen.Einziger Unterschied zwischen den beiden Drachen: der 200 scheint ein wenig agiler zu sein als sein großer Bruder, während dieser eher majestätisch seine Runden zieht. Bei absolutem Null-Wind war der 240 unser klarer Liebling, während wir bei einer Windstärke dann lieber den 200 aus der Tasche holten.

    Und noch ein Punkt soll an dieser Stelle angesprochen werden: Einige zeigten sich wenig begeistert von den auf dem Segel aufgedruckten Sicherheitshinweisen. Nun ist dies sicherlich eine Geschmacksfrage und vom Entwickler des Drachens so gewollt. So ganz verstehen können wir die Aufregung indes nicht, denn zum einen sieht man die Hinweise nicht mehr, wenn der Drachen am Himmel steht, zum anderen gab es in der deutschen Geschichte bereits einen Drachen, bei dem ganz bewusst Aufbau und Sicherheitshinweise auf das Segel gedruckt wurden. Die Rede ist vom guten, alten Roloplan, dem ohne solch einen Hinweis wohl etwas fehlen würde.

    Also, egal ob mit Aufdruck auf dem Segel oder ohne – ran an den Hybrid! Die Zeiten, in denen Drachenflieger bei Flaute frustriert Däumchen drehten, sind definitiv vorbei. Mit dem Hybrid der Horvath-Collection ist ein Drachen auf dem Markt, der seinesgleichen sucht. Super in der Verarbeitung, preislich interessant und in der Luft einen Spaßfaktor mit Suchtpotenzial bietend.

    So möchten wir am den geistigen Vater des Hybrids, Thomas Horvath, zu Wort kommen lassen. Auf die Frage, was er den Piloten seiner Drachen mit auf den Weg geben möchte, hat er geantwortet: „Horvath Drachen sind Autoren-Drachen, sie haben viel Persönliches eingebaut: im Konzept, der Umsetzung und für den Anwender primär in der Flugcharakteristik. Man muss sich auf sie einstellen, ausloten, was möglich ist, und ein gewisses Engagement einige Zeit durchziehen, um dann durch Thermikflüge, steigende Flatspins und eleganten Flug belohnt zu werden.“ Dem haben wir nichts mehr hinzuzufügen.


    Der Artikel erschien im Fachmagazin „kite and friends“ 5 | 2008, Ralf Dietrich ist ein international tätiger Dachenexperte, Autor und Gründungsmitglied des Drachenfestes Fanö.

    Die drei Nullwind-Drachen Hybrid 130, 200, 240 werden heute nicht mehr hergestellt, sie waren wegen des mehrstufigen Vertriebs für den Massenmarkt knapp zu teuer. Trotzdem wurden weltweit sehr viele davon verkauft. Einige wenige meinen: die Panels zeigen ein H.

  • Die Balance zwischen Luft und Drachen

    Thomas Horvath hat das Drachenfliegen ohne Wind erfunden. Seine Aktivdrachen bleiben in der Luft, weil ihnen der Pilot über die Leine die richtigen Impulse gibt. Und weil die Flugobjekte präziseste Konstruktionen aus hoch technisierten Materialien sind.


    Horvath ist als Konstrukteur auf der Suche nach dem perfekten Gleichgewicht zwischen Luft und Drachen.


    Irgendetwas fehlt. Auf einer Wiese bei Brugg im Kanton Aargau steht Thomas Horvath. Mit Zigarette im Mund, den Kopf zum Himmel gewandt. In der Hand hält er eine Leine, die ohne Spannung in den Himmel steigt. An deren Ende hängt in sechzig Meter Höhe ein grosser gelber Drachen. Er steht in der Luft, er schwebt. Bis hier ein gewohntes Sonntagabendbild auf vielen Grünflächen in der Schweiz.

    Doch etwas fehlt: Es weht absolut kein Wind. Wie also kann der Drachen fliegen?


    Anfang der Neunzigerjahre hat Horvath mit Drachenfliegen angefangen. Damals begann der Trend der technisch hoch entwickelten Lenkdrachen, die an zwei Leinen durch die Luft pilotiert werden. Dabei sind sie auf Wind angewiesen, der Auftrieb gibt. Doch Wind gibt es in der Schweiz selten konstant, vor allem nicht am Abend, Horvaths bevorzugte Flugzeit. Also kam der Architekt und Designer auf die Idee, eine Flugmaschine zu bauen, die ohne Wind fliegt. Das war im Jahr 2000. Er begann zu entwickeln, erst spielerisch, ab 2004 mit dem Ziel, daraus ein Geschäft zu machen. So hat er den ‹Nullwind-Einleiner› erfunden.

    Inzwischen hat sich der Begriff ‹Aktivdrachen› eingebürgert. Denn Horvaths Erfindungen fliegen aufgrund der Impulse, die der Pilot über die Leine weitergibt. Zieht der Pilot daran, fliegt der Drachen auf ihn zu und gewinnt an Höhe. Lässt er locker und gibt mit der Leine einen Zwick, dreht der Drachen ab und segelt vom Piloten weg. Dieser gibt Leine nach und kann den Drachen beim nächsten Anziehen höher steigen lassen. Geübte Piloten drehen Flatspins, gleiten knapp über dem Boden oder steigen auf ungeahnte Höhen. Erlaubt ist eine Maximalhöhe von sechzig Meter. Möglich sind mehrere Hundert.

    der designer begutachtet einen prototypen.

    1 Der Konstrukteur und sein Werk: Der Architekt und Designer Thomas Horvath begutachtet sein Modell „C’est la vie“.
    Anmerkung: C’est la vie gran turismo in icarex silver.

    2 Die Drachennase: Spanngummi und ein schock absorbierendes Gummi-Gussteil.

    3 Die Oberseite: Hier kreuzen sich zwei der polyester-ummantelten Spectra-Kunststoffschnüre, die „lines“. Sie sind siebenmal stärker als gleich schwerer Stahldraht.

    4 Die Unterseite: die Karbon-Spreize mit der „z-line“. Darunter die „Waage“. Ihr Winkel bestimmt das Flugverhalten.

    5 Am Heck von Horvaths Aktivdrachen endet die „y-line“. Diese Schnur justiert die Spannung des Segels.

    6 Spreize und Leitkante berühren sich nicht. Sie sind nach dem „Tensegrity-Prinzip“ mit einer Schnur verbunden.

    7 Flügelspitze: Das Segel des Drachens besteht aus polycarbonat-beschichtetem Polyestergewebe.


    Der lange Heimweg

    Horvaths Liebling heisst ‹Long Way Home›. Er verfügt über eine Spannweite von 2,72 Meter und wiegt dabei gerade mal 114 Gramm. Dieses Verhältnis von Grösse und Gewicht lässt sich nur mit Hightech-Materialien erreichen. Für die Flügel verwendet der Designer ‹Ikarex›, ein spezieller Polyester, formstabil und robust. Das Gerüst ist aus Karbonröhrchen, von Hand gewickelt und konisch, damit sie noch stabiler sind. Sämtliche Details der Konstruktion hat der Designer selbst entwickelt. Simpelste Teile bastelt er aus mehreren Elementen zusammen, um Gewicht zu sparen und Stabilität zu gewinnen, der ganze Drachen besteht aus ungefähr fünfzig Einzelteilen. Das Kernstück der Konstruktion ist die Spreize, ein gebogenes Karbonrohr, das sich von einer Flügelkante zur anderen spannt. Spreize und Kante berühren sich jedoch nicht, sondern sind über eine Schnur miteinander verbunden. «Die Idee kommt vom ‹Tensegrity-Prinzip› von Buckminster Fuller», erklärt Horvath. «Die ganze Konstruktion steht unter Spannung, also ‹tension›, und alle Teile sind miteinander verbunden, also ‹integrity›.» Das Prinzip macht den Flugkörper gleichzeitig elastisch und stabil. Viel Aufwand erforderte auch die Profilierung der Segel. Sie sind tailliert, wie jene der Superyacht Alinghi.

    «Die Statik der Konstruktion kann ich mit CAD berechnen. Wie sich das Segel in der Luft bewegt, ist aber auch per Computer nicht analysierbar», unterstreicht Horvath das komplexe Zusammenspiel zwischen Drachen und Wind. Darum rannte er am Anfang seiner Entwicklung fast täglich mit Schere und Kleber bewaffnet auf die Wiese und schnipselte an den Prototypen herum, bis die Spannung im Segel stimmte.

    Die richtige Lösung war oft die der Logik entgegen gesetzte

    …erinnert er sich. Insgesamt hat er während vier Jahren entwickelt und bis zum ersten Serienmodell mehr als hundert Prototypen gebaut.

    Design heisst hier Forschung. Da es diese Art von Flugkörpern noch nicht gab, musste er laufend Dinge erfinden, um an brauchbare Lösungen zu kommen. «Alles an diesem Drachen ist Funktion», sagt Horvath stolz. Die einzige rein ästhetische Entscheidung ist die Farbe. Doch auch da setzen sich die Aktivdrachen von ihren gelenkigen, zweileinigen Kollegen ab. Sie sind einfarbig weiss, gelb, orange, grün oder rosa, alles matt. Dass sein Designschaffen typisch schweizerisch ist, ist Horvath gar nicht so richtig bewusst: schlicht, funktional, minimal, präzis. Seit er seine Modelle verkauft, müssen die Konstruktionslösungen nicht nur dauerhaft, sondern auch bezahlbar sein. Billig sind die Flugobjekte noch immer nicht. Zwischen 222 und 402 Franken zahlt man für ein flugfertiges Exemplar.

    Hobby, Sport oder Geschäft

    Das Geschäft kommt langsam in Gang. Die meisten Kunden sitzen in Deutschland. Horvath verkauft aber auch nach Amerika, Portugal und Frankreich. Wenn es so weiter geht, werden schon bald mehr Exemplare bestellt, als er selbst bauen kann. Er kann sich vorstellen, dass er für gewisse Arbeitsschritte jemanden einstellt, auch wenn ihm das widerstrebt: «Den ‹Long Way Home› werde ich auch in Zukunft selbst bauen und einfliegen.» Trotzdem will er vom Drachenbau leben. Architektur macht Horvath fast keine mehr, Bauherrschaften sind ihm ein Graus. Im Moment kommt noch die Hälfte seiner Einkünfte vom Industrial Design. Um seine Erfindung bekannt zu machen, hat er eine spannende Website eingerichtet, auf der es auch Videos und Bilder zu sehen gibt. Die beste Werbung machen die Flieger aber für sich selbst, wenn sie am Abend ohne Wind magisch am Himmel schweben.

    An diesem Nachmittag in Brugg ist auch Stefan Furter mit von der Partie. Der junge Zuger ist zweifacher Europameister im Lenkdrachenfliegen. Auch er baut seine Wettkampfgeräte selbst. Für seinen Sport braucht er Wind und zwei Leinen. Meisterschaft erreicht, wer Figuren und Tricks langsam und präzise vorführt. Also saubere Winkel fliegt oder den Flieger in die eigenen Seile ein und wieder auswickelt, ohne die Kontrolle über den Flug zu verlieren. Zu den Aktivdrachen meint Furter: «Mir fehlt halt das Element Wind.» Einleiner sind für ihn eine gute Ergänzung, wenn es mal nicht luftet. Für Entwickler Horvath hegt er respektvolle Bewunderung. «Ein Spinner», meint Furter. Als Profi ist er fasziniert von der Verbindung von Segler und Drachen, die zudem präzise gesteuert werden kann.

    Was sich heute in der Szene tut, hat für Thomas Horvath in den Siebzigerjahren begonnen. «Das Modell ‹Stunter› von Peter Powell ist der Ursprung der ganzen Bewegung.» Aus ‹Stunter› wurden Anfang der Neunzigerjahre die Hightech-Lenkdrachen entwickelt. «Damals gab es einen richtigen Boom», erinnert er sich. Heute sei der Zenit überschritten: «Jetzt sind nur noch die dabei, die wirklich fliegen können.» Er hofft, mit seiner Erfindung so etwas wie eine Bewegung auszulösen. Nicht unbedingt in der Schweiz, da haben und hatten Drachen einen zu geringen Stellenwert. Aber in Deutschland, Amerika oder Japan.

    Vor einem Jahr hat ‹Long Way Home› einen zappeligen kleinen Bruder bekommen: den ‹Urban Ninja›. Während der grosse Bruder lange Flüge in freier Natur macht, tanzt ‹Urban Ninja› im städtischen Hinterhof. Er braucht wenig Platz und beherrscht Tricks, zum Bespiel den Looping – ein absolutes Novum für einen Einleiner. ‹Urban Ninja› ist als Einstiegsdroge gedacht. Die Konstruktion hat der Entwickler auf der Website veröffentlicht. Man kann den Drachen als Bausatz bestellen und zu Hause zusammenbauen. Der Traum, der sich für Horvath mit dem Stadtflieger verbindet: Die Broker der Zürcher Bahnhofstrasse üben in der Mittagspause ihre Tricks.

    Gleitfähigkeit versus Schub

    ‹Long Way Home› und ‹Urban Ninja› stehen für zwei Extreme des Flugverhaltens, für Gleitfähigkeit und Schub. ‹Long Way Home› ist ein Gleiter, ‹Urban Ninja› hat Schub. Gleitfähigkeit vermindert die Lenkbarkeit, Schub macht agil. Wie fest ein Drachen zum einen oder anderen Extrem neigt, kann der Pilot über die Waage einstellen. Sie ist die direkte Verlängerung der Leine und am Kielstab befestigt, der von der Schnauze zum Schwanz verläuft. Ist der Waagewinkel flach, fliegt der Drachen agil, «man packt ihn an der Nase», so Horvath. Ist die Waage steil eingestellt, gleitet der Drachen ruhig, «man führt ihn am Gürtel».

    Nicht nur in die Entwicklung und die Konstruktion hat sich Horvath vertieft. Das Thema hat auch eine uralte Geschichte in fast allen Kulturen. Die meisten Quellen verorten die ersten Drachen nach China. Dort sollen sie, lange vor Christi Geburt, als fliegende Signalfackeln verwendet worden sein. Dieser militärische Ursprung passt Horvath nicht. Er verweist auf Polynesien, wo die Drachen – lange vor den Chinesen – eine lebenserhaltende Funktion hatten: «Die ersten wurden zum Fischen erfunden: Ein Blatt an einer Leine bringt die Schnur mit dem Haken weit ins Meer hinaus. Dazu passt auch der ablandige Wind».

    Kraft der Entschleunigung

    Wie überraschend die Idee der Aktivdrachen ist, zeigt sich auch, wenn man versucht, sie in die Geschichte einzureihen. Die Einleiner sind eine Mischung von Elementen quer durch Kulturen und Zeiten. Hervorgegangen sind sie aus den im Westen entwickelten Lenkdrachen. Von hier stammen auch die hoch technisierten Materialien. Die Art des Fliegens wurzelt in der östlichen Kultur: der spielerische Ansatz, die Leine, die neben dem Flieger am Boden liegt. Der ‹Urban Ninja› steht exemplarisch für diese Verbindung von Ost und West. Form und Flugeigenschaften greifen die Tradition der Kampfdrachen aus Indien oder Pakistan auf. Dort geht es darum, mit der Leine die Schnur des anderen Fliegers zu durchtrennen.

    Aktives Drachenfliegen hat für Erfinder Horvath nichts mit Sport zu tun. Auch die ‹Power›, die Modesportarten wie Kitesurfen oder Snowsurfen bestimmt, hat bei ihm keinen Platz. «Es geht um die Ästhetik des Flugs», hält er fest, «um Entschleunigung.» Den Rest an Unerklärlichem, den er beim Konstruieren oft erlebt hat, will er sich erhalten. Wer den Mann mit Leine und Zigarette auf der Wiese stehen sieht, während sein ‹Long Way Home› hoch über ihm gemächlich Kreise dreht, spürt das Wunder auch:

    Wie, um Himmels willen, fliegt dieses Teil ohne Wind? Ab einer gewissen Höhe ist der Einfluss des Piloten via Leine minimal. Dann schwebt der Drachen einfach. «Das vollkommene Gleichgewicht», strahlt Thomas Horvath.


    Dieser Artikel wurde in der Zeitschrift hochparterre Ausgabe 10-2007 publiziert.
    Die Bilder zum Artikel hat der grossartige zürcher Fotograf Stefan Walter gemacht:
    www.stefanwalter.ch, Zürich Schweiz.